Thematik Ökumene

Ökumene - Hände reichen Interview mit Geistlichen zur Thematik Ökumene

Was halten sie von der Kirchentrennung?

1. Von der Kirchentrennung halte ich gar nichts, weil es nach dem Bekenntnis aller Christen nur die eine Kirche Christi gibt. Auch Martin Luther wollte vor 500 Jahren ja keine neue Kirche gründen; er wollte die eine Kirche reformieren, das heißt offensichtliche Missstände wie den Ablasshandel beseitigen, und vor allem die Kirche wieder auf die Grundlagen der Aussagen der Bibel zurückführen. Luther hatte die grundlegende Erkenntnis der Bibel wiederentdeckt: der Mensch kann nicht durch eigene (fromme) Werke vor Gott bestehen, sondern allein im Vertrauen auf Gottes Liebe. Dadurch, dass die beiden mächtigsten Männer der Zeit, der Papst und der Kaiser, sich dem Ansinnen Luthers jedoch entzogen, um ihre Macht zu erhalten, und ihn mit allen Mitteln bekämpften, kam es zur Spaltung, die leider noch immer anhält.

Wo liegen Differenzen/Schwierigkeiten zwischen den Kirchen? (Amtsverständnis, Sakramente, Schrift)

2. Die Differenzen liegen heute vor allem im Amtsverständnis. Für die evangelische Kirche sind alle Christen durch die Taufe Priesterinnen und Priester. Mit der Taufe ist alles gegeben. Luther hat deshalb auch vom „Priestertum aller Getauften bzw. aller Gläubigen“ gesprochen. Vor Gott sind alle Menschen gleich und wir brauchen auch niemanden, der als „Mittler“ zwischen Gott und Mensch tritt. Jeder Christ und jede Christin ist unmittelbar zu Gott. Evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer erhalten in der Ordination deshalb auch keine „Priesterweihe“, sondern werden in das Amt der Verkündigung berufen. Diese Berufung stellt sie nicht über die Gemeinde. Nicht-Theologen und Theologinen leiten in gemeinsamer Verantwortung die Gemeinde vor Ort und die gesamte Kirche. In Westfalen haben die ehrenamtlichen Presbyterinnen und Presbyter („Älteste“, ab 18 Jahren möglich) im Presbyterim (Kirchenvorstand) die Mehrheit. In Westfalen haben wir an der Spitze einen oder eine Präses (z. Zt. Dr. Alfred Buß); aber auch Landeskirchen, die ein Bischofsamt kennen (wie dasjenige, das Frau Käßmann in Hannover inne hatte) kennen im Unterschied zur katholischen Kirche keine „Bischofsweihe“. Auch evangelische Landesbischöfinnen und Bischöfe stehen nicht über der Gemeinde, sie bleiben im oben genannten Sinne Pfarrerinnen und Pfarrer (in Norddeutschland Pastorinnen und Pastoren, was dasselbe ist!). Als Sakramente kennt die evangelische Kirche nur Taufe und Abendmahl, weil es nur für diese einen biblischen Auftrag Jesu gibt. Die Bibel ist die Grundlage des Glaubens. Als geschichtliche gewachsene Sammlung unterschiedlichster Schriften über einen Zeitraum von mehr als 1000 Jahren bedarf sie immer wieder der Auslegung. Sie ist kein Gesetzbuch, sondern will für die Menschen hier und heute Bedeutung gewinnen und Mut zum Leben machen. Ihre Mitte ist Jesus Christus. In der evangelischen Kirche ist die Auslegung der Bibel kein Privileg studierter Theologen, auch wenn es manchmal hilfreich ist, bestimmte historische Hintergründe zu kennen und zu berücksichtigen.

Wo liegen Gemeinsamkeiten?

3. Es ist derselbe Glaube an den dreieinigen Gott: an Gott, den Schöpfer, der Ursprung und Ziel allen Lebens ist, an Jesus Christus, in dem Gott ein Mensch geworden ist und mit seinen Menschen auch im Leiden und Sterben verbunden bleibt, und an Gott, den Heiligen Geist, dieser Kraft, die Menschen in Bewegung setzt und aus selbst gewählter Isolation in die Gemeinschaft führt, ermutigt und tröstet. Auch in vielen ethischen Fragen, vor allem sozialen Fragen, gibt es in der Regel eine große Übereinstimmung.

Was bedeutet für sie Ökumene?

4. Über Ökumene kann man eigentlich gar nicht diskutieren. Ökumene ist die Gestalt der Kirche. Ökumene ist ja ein griechisches Wort für „Welt“ (der „bewohnte Erdkreis“). Die Kirche ist ökumenisch oder sie ist keine Kirche. Die Ökumene ist der Normalfall, die Kirchenspaltung ist der Skandal! (siehe zu 1.)

Was halten sie von gemeinsamen Projekten wie der Arche in Recklinghausen(gemeinsames Gotteshaus) oder gemeinsamen Gottesdiensten?

5. Ja, es sollte (noch) mehr ökumenische Aktivität geben, wobei wir im Kirchenkreis Recklinghausen und eigentlich überall im Ruhrgebiet eine gute Nachbarschaft zwischen evangelischen und katholischen Gemeinden pflegen. Zur „Arche“ am Quellberg konkret bitte den dortigen Pfarrer Christian Siebold fragen!

Sollte die Ökumene gefördert werden?

6. Ja, in jedem Fall!!! Die Basis ist ja schon sehr weit!

Besteht für sie eine Möglichkeit der Zusammenführung der beiden Kirchen? Woran scheitet die Zusammenführung?

7. und 8. Die Vereinigung der Kirchen scheitert letztlich am unterschiedlichen Amtsverständnis (siehe 1.), wozu ja auch das Papstamt gehört, von dem in der katholischen Kirche die höchste Lehrautorität ausgeht. Das ist für evangelische Christen (s.o.) natürlich nicht akzeptabel!




Ergebniss eines Schulprojektes
Januar 2010

Ökumene, Ökumenische Bewegung, Zusammenarbeit, Katholische Kirche, Evangelische Kirche, Ökomene,