Burg Andraz / Schloss Buchenstein

Schild das zum Schloss Andraz / Burg Buchenstein verweist
Burg / Schloss Andraz (Deutsch Schloss Buchenstein, im italienischen Castello Buchenstein oder einfach nur Castello) ist eine Burgruine aus dem Jahre 1027 in Buchenstein in der Provinz Belluno, im heutigem Italien. Sie steht auf mehreren das Tal überragende Felsbrocken inmitten eines Waldes (Ladinisch Bosch). Der Ort war Jahrhunderte lang ein sehr wichtiger strategischer Punkt der die Kontrolle der wichtigen Alpenstraßen ermöglichte. Von hier können die Straße aus dem Norden (Martino in Badia-Valparola Bressanoe-Passo Eores-S. und oder Pralongia),Blick auf die gesamte Ruine von Schloss Buchenstein
die Straße aus dem Süden (Belluno-Agordo-Caprile ) sowie die Straße über den Falzarego Pass, aus Cortina d' Ampezzo beobachtet, gesperrt und als Einnahmequelle angezapft werden. In der gesamten Region gab es ein Netzwerk von Befestigungen. So konnte man von Burg Andraz auf die Burg von Pietore hinübersehen, die wiederum von den anderen Befestigungen zu sehen war (Avoscan, Selva di Cadore ) Dieses Befestigungssystem ermöglichte eine völlige Kontrolle der Straße die, von Agordo hinaufsteigend, das Gebiet der Dolomiten Burg Andraz / Buchenstein
überquerte und schließlich ins Pustertal gelang. Die ersten historischen Erwähnungen der Burg stammen aus dem Anfang des 11. Jahrhunderts. wesendlich mehr Informationen erhalten die Wissenschaftler jedoch um das Jahr 1221 herum, indem der Bischof von Brixen das Schloss der Familie Schonecker / Schönecker (Colbello) als Lehen vergibt. Bis in das 15. Jahrhundert wird die Burg immer an Lehensmänner vergeben bis sie 1416 nicht weiter gegeben wird, sondern unter der Verwaltung des Bischofssitzes bleibt, welcher aus ihr eine kleine Militärgarnison unter Befehl eines Hauptmanns macht. Glassdach der Burg Andraz
In diesen Zeitraum fällt auch der Aufenthalt des wohl berühmtesten Gastes der Burg. Mehrfach und teilweise für längere Zeiträume residierte der Bischof und spätere Kardinal Nicolo Cusano (1401 – 11. August 1464) auch Nikolaus Krebs von Kues welcher neben seiner Tätigkeit als Würdenträger der Kirche Theologe, Humanist, Philosoph, Jurist, Mathematiker und Astronom war. Diente die Burg im Mittelalter zu den wichtigen strategisch-militärischen Bollwerken, so wurde sie im 16. Jahrhundert zur Sicherung der wirtschaftlichen Interessen der Bischöfe benötigt, welche sich durch die Ausdehnungsbestrebungen Venedigs, welches auch immer neue Mauer der Burg Andraz / Buchenstein
Ausläufe in das venezianische Hinterland suchte, bedroht sahen. Konnten die Stadtstaaten durch ihre intensiven Handelsbeziehungen und ihre immer größer werdende Macht erweitern, so waren sie doch immer noch darauf angewiesen, wollten sie die Alpen überqueren, Zölle an die Bischöfe, welche Burgen wie Schloss Andraz kontrollierten, zu zahlen. Gleichzeitig war das Dolomiten Gebirge selbst sehr begehrt, da es dort wichtige Rohstoffe wie Bauholz oder Eisenerz gab. Besonders zu erwähnen ist dabei das Gebiet von Livinallongo, welches über Zugang zur Burgruine
sehr reichhaltige Erzvorkommen verfügte. Es gab Bergwerke mit stahlhaltigem Eisen in Colle S. Lucia welches im Hoheitsgebiet von Andraz lag. Für Schloss Buchenstein / Burg Andraz wurde eine, extra für die Felsbrocken auf denen sie steht, entwickelte Baustruktur verwendet. Unter Ausnutzung der Felsen baute man im Inneren 2 Stockwerke welche durch ein zentrales Treppenhaus verbunden sind. Einer der Zugänge zur Burg, war eine, mit einem hölzernen, aufklappbaren Laufsteg, ähnlich einer Zugbrücke, gesicherte Rampe. Hinter der Rampe begann eine Treppe die über eine weitere Klappkonstruktion verfügte. Dieser Zugang Turm Burg Andraz
erschwerte die Versorgung der Burg enorm. Daher wurde die Burg mit einer Winde versorgt, an der Lebensmittel und andere Vorräte hinaufgezogen wurden. Um Feinde möglichst frühzeitig abzuwehren und mehr Platz zum Leben zu haben, wurde im Laufe der Geschichte die Burg mit einem Mauerring mit Zinnenkranz ausgestattet. Direkt am Haupteingang befinden sich die Überreste einer Seitenkappelle die um das 16. Jahrhundert gebaut wurde. Zuvor war die Kapelle im Innern der Burg. Der wertvolle Holzaltar der Burg ist heute in ca. 3 km Entfernung in der Kirche des nahen Dorfes Andraz ausgestellt. Die umbau und Umstrukturierungen Skizze des Bergfriedes Burg Andraz
sowie Restaurierungsarbeiten wurden teilweise sehr gut dokumentiert (leider fast ausschließlich in Italienisch und / oder Ladinisch). Die wohl wichtigsten Neugestaltungen wurden in den Jahren 1484-1488 von den italienischen Meistern Magistri Comacini ausgeführt, welche die Burg zeitgemäß wiederaufbauen sollten, da sie von einem Brand zerstört wurde. Schon vor der Erfindung des Schießpulvers verlor Schloss Andraz teilweise seinen Charakter als Festung und Befestigung. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte die Burg jedoch nur ein einziges Mal durch Aushungerung erobert werden. Gleichzeitig blieb die Burg trotzdem weiterhin ein wichtiger Stützpunkt für die Verwaltung des Gebietes. Nach einem weiteren Brand im Jahre 1500 wurde daher mehr auf Wohnlichkeit geachtet und unter anderem die großen gegen Süden gewendeten Fenster eingebaut. Auch die weiteren Verbesserungsarbeiten die 1599 von Hauptmann Chiusole beendet wurden sollten die Burg vor allem äußerlich verschönern und bewohnbarer machen. Nach den Napoleonischen Kriegen verlor Burg Andraz ihre Bedeutung. Dies lässt sich vor allem mit dem Erschöpfen des Bergbaus als auch mit den veränderten politischen Verhältnissen erklären. Zuerst fiel die Burg der Plünderung zum Opfer, später der Verwahrlosung und während des Ersten Weltkrieges wurde sie bombardiert. Heutzutage erscheint Burg Andraz daher wie ein Wächter der Lokalgeschichte und als Symbol der kulturellen Tradition und Entwicklung der Ladiner, die sich hier, mehr als anderswo in der Umwelt, der Kultur sowie der Sprache hervorragend erhalten haben Neben dem Schutz der alten Burgstruktur (so hat man z.B. einige Teile der Burg mit Glas überdacht um sie vor der Witterung zu schützen) investiert man vor allem in den Wiederaufbau von Mauern mit traditionellen Techniken und traditionellem Material wie gelöschtem Kalk aber auch modernen Mitteln wie Einspritzungen von dünnflüssigem ausdehnendem Zement mit Eisenverbindung, in das zerrüttete Gemäuer. Archäologen führen gleichzeitig Ausgrabungen am Fuße des Felsbrockens durch um weitere Spuren der Burg zu finden.


geschrieben von: Max Nastula
Hier geht es zur Ladinischen Mytologie