Wann endeten die Deutschen Reparationszahlungen ?

Die Deutschen Reparationszahlungen für den Ersten Weltkrieg


Das zerstörte Ypern nach dem Ersten Weltkrieg Als Folge der Einheit tilgt Deutschland seine letzten Reparationszahlungen

Diesen Sonntag wird in den Bürokomplex in Berlin-Weißensee Geschichte geschrieben, doch kein Journalist, kein Fernsehteam und kein Blitzlichtgewitter begleitet das Ereignis. Nach gut 92 Jahren endet am 3. Oktober 2010 die Kriegsschuld Deutschlands. Die letzte Rate der Kriegsschuld wird hier getilgt.

Zuständig für dieses Kapitel der Deutschen Geschichte ist das „Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen“ (BADV) welches man auch als den Nachlassverwalter der Deutschen Geschichte bezeichnet. Über 11 Millionen Deutsche kämpften von 1914 bis 1918 auf den Schlachtfeldern Europas. Viele von Ihnen kehrten nie wieder zurück oder wurden für immer vom Krieg gezeichnet. Hunderttausende kehrten mit schwersten Behinderrungen zurück und Ypern und Verdun brannten sich als Symbole, des sinnlosen Gemetzel tausender, in die Köpfe ein. Rund 8,5 Millionen Tote brachte der Krieg. In dem Versailler Vertrag wurde dem Angreifer Deutschland die alleinige Kriegsschuld zugeschrieben. Die Folge waren hohe Strafen die sog. Reparationszahlungen.
1920 legte man sie auf 269 Milliarden Goldmark, welche in 42 Jahresraten zu zahlen seinen, fest. Doch warum musste Deutschland bis 2010 zahlen? Nun das ist letztlich eine Folge von Politischen Entscheidungen und der Wiedervereinigung. Jahrzehnte lang hat man seine Schulden nicht beglichen. Zeitweise sah sich Deutschland nicht in der Lage die Schulden zu bezahlen, unter den Nazis stoppte man die Tilgung der Auslandsschulden und begann einen neuen verheerenden Krieg und auch nach der Teilung Deutschlands wurden einige Schulden bis zur Wiedervereinigung zurück gestellt.
Zurück in die Vergangenheit. Nach dem Versailler Vertrag erhob Deutschland Einspruch gegen die zu hohen Reparationszahlungen und wurde 1924 durch den Dawes-Plan etwas entlastet. Der US-Finanzexperte Charles Dawes setzte ein Konzept das sowohl Reparationszahlungen als auch eine Ankurbelung der Deutschen Wirtschaft vorsah durch.
So wurden 800 Millionen Reichsmark zur Stärkung der Deutschen Wirtschaft als Kredit in die Weimarer Republik gepumpt. Da es sich hierbei um reelles Geld handelte, legte man die sog. Dawes-Anleihe auf. Ihr folgte 1929 der Young-Plan. Die zu zahlende Gesamtsumme wurde reduziert und der Zeitraum bis zum Jahre 1988 verlängert. Als weitere Konjunkturspritze platzierte man die sog. Young-Anleihe und pumpte damit große Summen echtes Geld, das sofort eingesetzt werden konnte in die Republik. Wie schon bei der Dawes-Anleihe stammte das meiste Geld dafür aus den USA. Sah Frankreich in Deutschland teilweise immer noch einen Feind, waren die USA an einem ausgeglichenem Machtverhältnis in Europa und einem Bollwerk gegen den Kommunismus, gegen den man bereits verdeckt in Russland vorging, interessiert. Auch suchte man neue Absatzmärkte für die eigenen Waren, die sich nur in finanziell gut ausgestatteten Staaten ordentlich verkaufen ließen. Schon 1930 borgte sich dich bankrotte Reichsregierung ein weiteres mal Geld. Diesmal beim schwedisch-englisch-amerikanischen Finanztrust Kreuger der sich auf Zündhölzer spezialisiert hat. Die Kreuger oder Zündholz-Anleihe soll bis 1980 laufen und ist Jährlich mit 6% Verzinst. Unter den Nazis wächst der Schuldenberg erst einmal wieder mächtig und Auslandsschulden des Deutschen Reiches werden nicht mehr bedient. Erst 1953 gibt es ein neues Abkommen über die alten Deutschen Auslandsschulden, das Londoner Abkommen. Im April 1945 betrugen die Deutschen Schulden eine gigantische Summe von 394 Milliarden Reichsmark. Mit dem Londoner Abkommen erließ man Deutschland einen gigantischen Teil dieser Schulden und verringerte somit die noch ausstehende Summe auf 14,5 Milliarden D-Mark. Die Schulden aus diesen Papieren wurden bereits aus neuen Anleihen getilgt, man musste jedoch noch Zinsrückstände aus den Jahren 1942 bis 1952 bezahlen. Aus Rücksicht auf die Gebietsverluste Deutschlands und der Minderung der Wirtschaftsleistung stellte man diese Gelder jedoch bis zur Wiedervereinung zurück. Erst mit der Wiedervereinung am 3.10.1990 lagen die fast vergessenen Schulden wieder auf dem Tisch. Seit dem galt es die rund 239,4 Millionen D-Mark Rückstand abzugelten. Man entschied sich für sog. Fundierungsschuldverschreibungen die über 20 Jahre laufen sollten. Also genau bis zum 3.Okotober 2010. Die letzte Rate beläuft sich auf 75 Millionen. So wie es also aussieht ist zumindest das finanzielle Kapitel des Ersten Weltkrieges beendet. Mehrere US-Anleger scheiterten zuvor an dem Versuch Milliarden der Dawes und Young Anleihen die eigentlich unrechtmäßig dem Deutschen Staat erlassen wurden, zurück zu erhalten.


Ein Artikel von Max Nastula
Akademie für europäische Integration Interaktion und Kommunikation , Akademie iik
Oktober 2010.

Weitere Begriffe:
Ende der Zahlungen für den Ersten Weltkrieg, Folgen des Ersten Weltkriegs, Zahlungen Erster Weltkrieg, Kosten,