Die Siegfriedstellung - Defensivstellung im Ersten Weltkrieg

Die Siegfriedstellung / Hindenburglinie


Verteidigungsanlagen an der Siegfriedstellung oder Hindenburglinie
Bei der Siegfriedstellung handelt es sich um eine Defensivstellung der deutschen Truppen im Ersten Weltkrieg von März 1917 bis Oktober 1918. Ziel der Stellung war es, den Frontverlauf zugunsten der Deutschen zu verkürzen, damit weniger Soldaten zur Verteidigung der Front benötigt werden. Gleichzeitig wollte man bessere Verteidigungspositionen einnehmen. Die Siegfriedstellung erstreckte sich von Arras über St. Quentin bis Soissons.

Der Plan:

Die OH (Oberste Heeresleitung) suchte bereits seit längerer Zeit nach einer Möglichkeit Truppen einzusparen und sah im strategischen Rückzug eine gute Möglichkeit um Kraft und Ressourcen zu sparen. Dadurch konnten durch einen strategischen Rückzug Besonderheiten des Geländes ausgenutzt und bessere Stellungen aufgebaut werden. Anfang 1917 erfuhren die Mittelmächte von einem bevorstehenden Überraschungsangriff der Entente und beschlossen sich schnellstmöglich zurückzuziehen. Man sah ein, einem Angriff nicht gewachsen zu sein und befürchtete einen schnellen Einbruch der Front welcher wahrscheinlich eine schnelle Niederlage bedeutet hätte. Zusätzlich konnte man durch eine Verkürzung der Front viele Artilleriegeschütze frei machen (gab es weniger Frontabschnitt zu beschießen konnten man den Angriff an bestimmten Punkten verstärken).



Frontverläufe der Hindenburglinie

Aus heutiger Sicht ist der Rückzug zur Siegfriedstellung ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite war aus damaliger Sicht der Rückzug folgerichtig, glaubte man immer noch daran, der Krieg sei zu gewinnen. Auf der anderen Seite könnte man aus heutiger Sicht argumentieren, dass ohne die Siegfriedstellung der Krieg früher zu Ende gewesen wäre und eine nicht unerhebliche Anzahl an Männern auf allen Seiten ihr Leben nicht hätten verlieren müssen. Fakt ist, aus militärischer Sicht war die Operation ein voller Erfolg. Alle Versorgungs- und Transporteinrichtungen wurden vor dem schnellen Rückzug zerstört und über 125.000 Menschen wurden zwangsevakuiert. Man kann von der Taktik der verbrannten Erde sprechen. Wirklich jedes brauchbare Material wurde abtransportiert. Systematisch wurden mögliche Verteidigungsposten (z.B. Häuser in denen sich Feinde beim Vorrücken hätten verstecken können) zerstört. Dies ist in soweit logisch, da man davon ausging, dass es sich bei dem Rückzug nur um einen kurzfristigen strategischen Rückzug zur Stärkung der Truppe handeln sollte. Die Gebiete sollten schnell wieder erobert werden. Verteidigungsstellungen für die Feinde durfte es da natürlich nicht geben. Deckname dieser Operation lautete „Alberich“ und war auch Teil des sog. Hindenburg-Programms (Wirtschafts- und Militärplan zur Umstrukturierung Deutschlands um den Krieg noch zu gewinnen) Von den Alliierten wurde sie auch Hindenburglinie in Anspielung auf den Oberbefehlshaber Paul von Hindenburg genannt. Natürlich hatte auch der Name Siegfriedstellung eine besondere Bedeutung. Er sollte symbolisch auf den Helden Siegfried anspielen. Luftaufnahme (1920)  der Siegfriedstellung
Man berechnete, dass die Verkürzung der Front um 50 Kilometer, mindestens 10 bis 13 Divisionen (100-200 Tausend Mann) einsparen würde. Den alliierten Truppen mag der Deutsche wie ein moderner Vandale vorgekommen sein. Überall wo der böse Deutsche auch nur hinkommt, hinterlässt er eine Welle der Zerstörung. Gerüchte, die Deutschen hätten Brunnen vergiftet oder Keller mit Bomben präpariert, verbreiteten sich wie ein Lauffeuer. Das alles ging so weit, dass sich das Unternehmen „Alberich“ schließlich im Vertrag von Versailles als Kriegsverbrechen wieder findet.
Es ist jedoch davon auszugehen, dass es so schlimm auch nun wieder nicht war. Viel dürfte Fehlinterpretation und Propaganda gewesen sein. Sicherlich kann es vereinzelt (ob nun beabsichtigt oder nicht) zur Vergiftung von Brunnen (z.B. durch Kadaver) gekommen sein, es gibt jedoch keine Hinweise, dass es sich dabei um einen Befehl der Obersten Heeresleitung handelt.


Ein Artikel von Max Nastula


Weitere Begriffe:
Ypernschlachten, Erster Weltkrieg, Stellungskrieg,