Jugendlandtag NRW 2010

Blick in den Plenarsaal des Landtages NRW Politik ist langweilig und außerdem kann man eh nichts bewegen? Viele Jugendliche sollen so denken. In der letzten Woche wurde ich jedoch wieder einmal vom Gegenteil überzeugt.
Vom 7. bis zum 9. Oktober fand im Landtag NRW der sog. Jugendlandtag statt. Jugendlandtag? Was ist denn das, mag sich so manch einer fragen. Jugendlandtag, das sind über 180 junge, größtenteils sehr an Politik interessierte Jugendliche aus NRW die für 3 Tage die Plätze der "echten" Landtagsabgeordneten einnehmen und zusammen feiern, sich freuen, streiten, provozieren, lachen aber vor allem eins, miteinander diskutieren, um letztendlich einen mehrheitsfähigen Entschluss zu erarbeiten. Jugendliche mit den unterschiedlichsten Bildungsgraden. Egal ob von der Hauptschule oder dem Gymnasium, körperlich gesund oder mit Behinderungen, mit einer festen politischen Einstellung oder politisch offen und in keiner Partei oder politischen Jugendorganisation tätig. Ein buntes Bild von jungen Menschen wie mir selbst, die 3 Tage lang auf Kosten des Landes ihren Spaß im Landtag hatten. Ähnlich wie in der Realpolitik begann der „Arbeitstag“ der Jugendlichen am Donnerstag nach einer kurzen Einführung mit Wahlen. Es galt einen Parteivorsitzenden zu wählen, sich in Arbeitsgruppen und Ausschüsse aufzuteilen und sich intensiv mit 2 Themengebieten, Ehrenamt und der Europaverdrossenheit zu beschäftigen. Dazu lag den Jugendlichen jeweils ein Antrag, der genehmigt, abgelehnt oder verändert werden sollte, vor. Genau, wie in der „echten“ Politik gab es Experten Anhörungen, die Parteien sprachen sich untereinander ab und gingen aufeinander zu, um eine Mehrheit für ihre Ideen und Wünsche zu finden. Zwischendurch traf man die „Real-Politiker“ und konnte sich kurz mit ihnen unterhalten oder unter anderem ein paar Fotos mit ihnen machen! So habe ich mich unter anderem mit unserer Ministerpräsidentin Frau Hannelore Kraft, mit dem ehm. Ministerpräsidenten Herrn Rüttgers und Herrn Laschet kurz unterhalten und/ oder fotografieren lassen können!
Abstimmung während des Landtages NRW
Während der Arbeit, wurde schnell deutlich, dass Politik oftmals an scheinbaren Kleinigkeiten zu scheitern drohte und das es sehr schwer ist, einen Konsens (eine Meinung) zu finden! Am Samstag wurden die ausgearbeiteten Anträge auf dem Höhepunkt des Jugendlandtages, der Plenarsitzung zur Abstimmung gestellt. In der Plenarsitzung sitzen die Abgeordneten aller Parteien (CDU, SPD, Grüne, FDP, und der Linken). Eine weitere Besonderheit des Jugendlandtages in NRW ist es, dass dieses Projekt nicht nur verdammt viel Spaß macht, sondern anders als viele andere Planspiele, die Politik wirklich bewegen kann. So werden die Entscheidungen der jeweiligen Arbeitsgruppen den „echten“ Politikern vorgelegt und diese diskutieren die Vorschläge der Jugendlichen. Sicherlich werden die Vorschläge dann nicht 1 zu 1 übernommen. So wird es bestimmt bei einigen Anregungen heißen: zu teuer, oder zu aufwändig. Es ist aber zu hoffen, dass einige Ideen wirklich umgesetzt werden und so die Jugendlichen unser Bundesland ein wenig verändern konnten. Ich selbst war 2009 als Teilnehmer für Herrn Hovenjürgen (CDU) im Landtag, obwohl ich selbst in keiner Partei oder politischen Jugendorganisation war. In diesem Jahr war ich als Betreuer im Jugendlandtag tätig und kann jedem nur empfehlen sich beim NRW Landtag oder seinem Abgeordneten für das Jahr 2011 zu bewerben!!! Ich bin mir sicher, dass auch in den nächsten Jahren der Jugendlandtag ein voller Erfolg wird! Alleine die Tatsache, dass ich mehrfach gefragt wurde, ob man sich schon jetzt für das nächste Jahr bewerben kann zeigte mir, dass es auch allen anderen verdammt viel Spaß gemacht hat!


Die Beschlüsse:
1. Der Eilantrag der Grünen "Der Jugend-Landtag möge die Einführung von ökologisch produziertem Papier und die Reduzierung der Zettelanzahl in den Blöcken beschließen" wurde mit großer Mehrheit angenommen.

2. Der Eilantrag der FDP "Schulden von heute zu Lasten von morgen" wurde nach einem erfolgreichen Änderungsantrag der Linken (die Einnahmenseite des Landes muss gestärkt werden) angenommen.

3. Die Empfehlung 'Beschluss Europa' wurde angenommen. Änderungsanträge von FDP und Grünen wurden abgelehnt.

4. Die Empfehlung 'Beschluss Ehrenamt' wurde nach erfolgreichen Änderungsanträgen von Grünen (einheitlicher Ehrenamtspreis auf Landesebene; Ehrenamtspreis in Form von kulturellen Gutscheinen) und CDU/SPD (Einrichtung von Ehrenamtsbüros, die eine Vermittlungsgebühr erheben) angenommen. Ein weiterer Änderungsantrag der Grünen (verpflichtendes schulisches Sozialpraktikum) wurde abgelehnt.

geschrieben von: Max Nastula
Datum: 11. Okt. 2010

3. Jugendlandtag, Politische Bildung NRW, Politiker live erleben